Projekt · Musik

Delamani Music

Mein Künstlername ist seit jeher Kharez Delamani, und das bleibt er auch. Unter Delamani Music erscheinen derzeit die Fingerprint-Versionen: KI-Coverversionen meiner eigenen Demos, also meiner Vorlagen, meiner Melodien und meiner Texte.

Seit 1993 Deutschpop und Rap Text, Melodie, Stimme Hunderte Songs

Vierzig Mark

Mit elf stand ich auf einem Flohmarkt und verkaufte mit meinem ältesten Freund – wir kennen uns, seit ich sechs bin – und seinen Eltern ein paar meiner Spielsachen. Von dem Geld kaufte ich mir eine abgenutzte Gitarre für vierzig Mark und schleppte sie nach Hause.

Die ersten Akkorde habe ich mir aus dem Musikbuch meines Bruders beigebracht. Für ein paar davon hat es gereicht, für die Lieder darin nicht: Ich konnte sie weder auswendig noch sauber nachspielen. Also fing ich an, aus Spaß eigene Lieder zu erfinden, die zu den Akkorden passten, die ich schon konnte.

Dass die Musik einmal einen so großen Teil meines Lebens einnehmen würde – und einen so großen Teil meiner Liebe –, war mir an diesem Nachmittag ganz sicher nicht klar.

Rückblickend ist das der ganze Ursprung. Das Songschreiben kam nicht aus einem Talent, sondern aus einer Lücke.

Zwei Kassettenrecorder

Zu Weihnachten kam ein Keyboard dazu, und damit auch die Frage, wie man beides gleichzeitig hört. Die Lösung bestand aus zwei Kassettenrecordern mit eingebauten Mikrofonen: Ich nahm eine Spur auf, spielte sie ab, spielte dazu und nahm das Ganze mit dem zweiten Gerät neu auf – immer wieder übereinander. Mit jeder Runde wurde es rauschiger und mit jeder Runde voller. Das waren meine ersten Mehrspuraufnahmen, auch wenn ich das Wort damals nicht kannte.

Ein Lied auf einer Messe

Richtig angefangen hat es 1993 mit einem einzigen Lied. Auf einer Messe der Stadt sang ich „Girl I’m Gonna Miss You“ beim Karaoke – ausgerechnet veranstaltet von demselben Sender, der mich vier Jahre später als Gastmusiker einladen sollte.

Für das, was ich vorhatte, brauchte ich jemanden, der singen konnte, und so lernte ich Markus kennen. Ab da war die Aufteilung klar: Ich rappte, er sang. Geprägt haben mich in dieser Zeit Michael Jackson und die Fantastischen Vier – und dann kam das Rödelheim Hartreim Projekt.

Der Computer, der eigentlich zum Spielen da war

Den Atari ST hatte ich mir gekauft, um damit zu spielen, und für nichts anderes. Dann sah ich ein Interview, in dem Moses P. sein Studio zeigte – und dort stand genau dieser Rechner. Als ich herausfand, dass man damit über MIDI Musik machen kann, war der nächste Schritt entschieden.

Ich habe daraufhin den Motorradführerschein abgebrochen und das Motorrad nicht gekauft, sondern alles auf eine Karte gesetzt: einen Synthesizer mit MIDI. Dazu kamen nach und nach Mischpult, Mikrofon und eine MiniDisc. Damit entstanden meine ersten eigenen Songs, und als sie fertig waren, lud ich Markus ein. Kurz darauf stellten wir sie in unserem Jugendtreff vor, einem Spielbrett-Café – der erste Auftritt, den ich je hatte.

Die Jahre, in denen es fast losging

Danach trennten sich die Wege, und ich machte weiter. 1995 kam ein anderer Freund dazu, mit dem ich eine Disco-Tour durch die ganze Region spielte. Später fand ich eine Sängerin, einen zweiten Rapper und einen Manager.

Es gab ein Interview bei Sunshine Live, damals spielte der Sender auch noch HipHop, empfohlen von Viva Act 2000 nach einem Wettbewerb, in dem wir gar nicht weitergekommen waren – man wollte uns trotzdem helfen. Es gab Kontakt zu Manfred Sexauer, einem der bekanntesten Musikmoderatoren des Landes, der internationale Musik über Jahrzehnte ins deutsche Radio und Fernsehen gebracht hat.

Wir standen oft kurz davor. Zu einem Plattenvertrag kam es nie, und irgendwann trennten sich auch diese Wege wieder – meistens nicht an der Musik, sondern an Beziehungen. Ich machte weiter, von da an allein.

Allein weiter

1997 lud Radio Ton mich als Gastmusiker auf die Coca-Cola-Showbühne ein, draußen auf dem Baseballfeld vor dem Stadion, als Einstimmung, bevor die Türen zum Konzert der Backstreet Boys aufgingen. Auf der Aftershow-Party haben wir dann zusammen getanzt. Belege gibt es dafür keine, weil das eine Zeit ohne Smartphones war; es gibt nur Zeitzeugen.

2010 landete ich bei YouTube Secret Talents auf Platz 15 von über dreitausend Bewerbern – quer durch alle Kategorien, von Comedy bis Sport, und nur ein einziger Musiker stand vor mir. Ein Jahr später stand ich beim YouTube-Video-Day auf der Gamescom auf der Bühne, zusammen mit den Kanälen, die damals jeder kannte.

Kleine Erfolge, keine Karriere, und genau so meine ich es auch. Sie haben gereicht, um zu wissen, dass die Lieder nicht bloß in meinem eigenen Kopf funktionieren.

Warum nie mehr daraus wurde, ist schnell erzählt und wenig romantisch: Ohne die richtigen Leute dreht man sich im Kreis. Man steht kurz davor, man wird empfohlen, man bekommt Kontakte – und dann steht man wieder am selben Punkt, nur ein Jahr älter. Talent öffnet keine Tür, es sorgt nur dafür, dass du nicht sofort wieder hinausfliegst, wenn dir jemand eine aufhält.

Liedermacher, kein Komponist

Ich sollte an dieser Stelle einordnen, was ich kann und was nicht, sonst klingt das alles größer, als es ist. Ein Komponist im klassischen Sinne bin ich nicht. Ich bin Liedermacher. Meine Stärke war nie die Virtuosität am Instrument, sondern das Gespür dafür, wann ein Lied hängen bleibt: die Melodie, die du nach einmal Hören mitsummst, die Zeile, die an der richtigen Stelle sitzt. Ohrwürmer zu schreiben ist ein Handwerk, auch wenn es sich beim Schreiben wie ein Zufall anfühlt.

Was ich nicht bin, ist der große Sänger. Das wusste ich früh, und ehrlicherweise ist das einer der Gründe, warum ich nicht behaupten kann, wirklich alles gegeben zu haben. Man gibt schlechter alles, wenn man die eigene Schwachstelle kennt und sie bei jeder Aufnahme mithört.

Eine Sache kann ich dafür für jeden einzelnen Ton behaupten: Er ist selbst gespielt. Ich habe nie ein Sample benutzt, kein einziges. Jede Spur, jede Fläche, jede Basslinie kam aus meinen eigenen Händen – auch die, bei denen man hört, dass meine eigenen Hände dafür nicht ganz gereicht haben.

Und genau da setzt der Gedanke an, der mich bis heute nicht loslässt: Stell dir vor, meine Konzepte wären von Musikern eingespielt worden, die ihr Instrument wirklich beherrschen. Von Leuten, für die das kein Kampf ist, sondern Sprache.

Warum gerade nichts online ist

Über die Jahre sind hunderte Songs entstanden, und trotzdem findet man derzeit kaum etwas von mir. Das hat einen sehr unromantischen Grund: Mischen und Mastern.

Die Musik hat sich klanglich so weit entwickelt, dass meine Aufnahmen neben einer aktuellen Produktion schlicht nicht bestehen. Ich schreibe, komponiere, singe und produziere – aber die letzte Stufe, die aus einem fertigen Song eine radiotaugliche Aufnahme macht, bekomme ich bisher nicht hin. Tontechnik ist nicht umsonst ein eigener Studiengang, und das merkt man spätestens dann, wenn man es allein versucht.

Deshalb sind die alten Veröffentlichungen gerade offline. Sobald mir die Technik beim Mischen so weit hilft, dass ich zufrieden bin, kommen sie zurück.

Was eine Fingerprint-Version ist

Grundlage ist immer eine eigene Aufnahme, also ein Demo von mir: mein Text, meine Melodie, meine Stimme, meistens Jahre alt. Daraus entsteht in einer aufwendigen Produktion die Fassung, die ich beim Schreiben im Ohr hatte – mit der Besetzung, die mir nie zur Verfügung stand. Nüchtern gesagt sind es KI-Coverversionen meiner eigenen Demos.

Der Name kommt daher, dass der musikalische Fingerabdruck meiner bleibt. Was dazukommt, ist das Ensemble – also genau die Musiker, von denen ich eben sprach.

Dazu gehört eine Jahreszahl, die mir wichtig ist: Diese Lieder sind entstanden, lange bevor eine KI auch nur einen Satz schreiben konnte, und sehr lange bevor es Suno gab. Niemand hat mir die Melodien vorgeschlagen. Sie lagen jahrelang auf Kassetten, MiniDiscs und Festplatten herum und warteten darauf, dass die Technik endlich bei ihnen ankommt.

Mir ist bewusst, dass dieser Weg umstritten ist, und ich verstehe jeden, dem dabei unwohl wird. Deshalb ist die Grenze bei mir klar und nicht verhandelbar: Ich bearbeite ausschließlich eigene Werke. Es wird keine fremde Stimme nachgeahmt und kein fremdes Stück angefasst – es wird vollendet, was ohnehin schon da war.

Es ersetzt die Band, die ich mir immer gewünscht habe. Nicht den Songwriter.

Warum überhaupt noch

Es ging mir nie darum, berühmt zu werden. Fuß fassen, ja, das schon – davon leben zu können wäre schön gewesen. Aber der Antrieb war immer das Lied selbst und nicht die Halle davor.

Heute fehlt mir die Zeit an allen Ecken, und deshalb nutze ich meine Erfahrung anders: Ich gebe meine Texte und meine Melodievorgaben vor und lasse daraus etwas entstehen, das ich allein nie hätte einspielen können. So ist „Engelsgleich“ gewachsen, und so entstehen die Fingerprint-Versionen.

Was bleibt, ist der Fingerabdruck. Dass die Lieder existieren, hörbar und fertig, und nicht als Kassette in einer Kiste im Keller. Das steht auf meiner Liste, so wie Superkalle darauf steht – und Listen sind dazu da, dass man sie abhakt.

Gelebt habe ich es trotzdem

Es gibt einen Satz, den ich mir über die Jahre erarbeitet habe, und ich meine ihn genau so, wie er dasteht: Ob am Ende Erfolg herauskommt, entscheidet nicht darüber, ob man es war. Ich bin Songwriter. Ich war es mit siebzehn im Jugendtreff, und ich bin es heute an einem Dienstagabend um halb zwölf.

Die Arbeit ist nämlich dieselbe wie bei denen, die davon leben. Du überlegst, du schreibst, du hältst fest, du komponierst, du produzierst, du lebst es. Jede einzelne Stunde davon ist identisch. Der Unterschied kommt erst danach, und er besteht aus vier Dingen: dem Applaus, dem Erfolg, dem Geld und der Freiheit, nur noch das tun zu dürfen.

Das schreibe ich nicht aus Verbitterung und auch nicht, um es mir schönzureden. Ich bin dankbar für diese Zeit, und zwar aus einem Grund, der nur zur Hälfte mit Musik zu tun hat: Wer Lieder schreibt, betreibt dauernd Selbstreflexion. Man packt aus, was einen beschäftigt, man sucht die Worte dafür, bis sie sitzen, und ganz nebenbei kommt man nicht darum herum, sich über die eigenen Gefühle im Klaren zu sein. Das ist kostenlose Therapie mit Reim, und die Fähigkeit, die dabei entsteht, hat mir überall sonst im Leben geholfen.

Ich habe meinen Traum gelebt. Das ist mehr, als die meisten über ihr Hobby sagen können.

Mehr als einzelne Songs

Aus derselben Arbeit sind zwei größere Dinge entstanden. Zum einen „Engelsgleich – Das Hörbuch-Musical“, in dem über dreißig dieser Songs eine ganze Geschichte tragen. Zum anderen Filmmusik: Für eine Folge der Serie Westworld habe ich einen vollständig eigenen, alternativen Score komponiert.

Und schließlich die Quiz-Show „Uns fragt ja keiner!“. Was dort zu hören ist – über acht Stunden Moderation und mehr als zwanzig Stücke vom Titelsong bis zum Verlierersong – ist von mir geschrieben. Gesungen und gesprochen wird es dort allerdings nicht von mir, und das ist der Unterschied zu allem anderen auf dieser Seite.

Kharez Delamani
  • KünstlernameKharez Delamani
  • Aktuell alsDelamani Music
  • Erste Gitarremit 11, vom Flohmarkt
  • Seit1993
  • StilDeutschpop, Rap
  • RollenText, Komposition, Gesang, Produktion