Der Schlussstrich: warum ich keine Kunden mehr annehme

Dreimal schleichend versucht, dreimal gescheitert. Warum es ein Datum brauchte – und was ich dabei falsch eingeschätzt habe.

Im Oktober 2023 habe ich aufgehört, neue Kunden anzunehmen. Nicht schleichend, nicht „erst einmal weniger“, sondern mit einem Datum – und zwar deshalb, weil ich es vorher dreimal schleichend versucht hatte und jedes Mal gescheitert bin.

Der Grund dafür war nicht, dass die Arbeit schlecht gewesen wäre. Im Gegenteil: Ein Projekt zu begleiten, ein Konzept zu entwickeln, zu gestalten und alles fertig zu machen, ist eine schöne Sache. Nur stand am Ende jedes Mal etwas Fertiges da, auf das ich stolz war und das jemand anderem gehörte. Irgendwann wollte ich auch einmal etwas machen, das bleibt.

Warum schleichend nicht funktioniert

Wer nebenberuflich Dienstleistungen anbietet, hat nie zu wenig zu tun. Es gibt immer eine Anfrage, die zu gut ist, um sie abzulehnen, und immer einen Bestandskunden, dem man schlecht absagen kann, weil man ihn seit Jahren begleitet. Dazu kommt das Angenehmste an Auftragsarbeit: Sie ist planbar, und man weiß im Voraus, was sie einbringt.

Genau das ist die Falle. Eigene Produkte bringen am Anfang nichts ein und kosten trotzdem dieselbe Zeit. Solange eine bezahlte Stunde zur Wahl steht, verliert die unbezahlte jedes Mal – nicht aus Faulheit, sondern aus Vernunft. Deshalb hilft kein Vorsatz, sondern nur ein Schnitt.

Was ich falsch eingeschätzt habe

Ich dachte, das Schwierige sei der Umsatzverlust. War es nicht. Das Schwierige war etwas ganz anderes: Bei Auftragsarbeit sagt dir jemand, wann du fertig bist. Beim eigenen Produkt sagt es dir niemand.

Ein Kunde nimmt ab oder er nimmt nicht ab, und danach ist die Sache abgeschlossen. Bei einer eigenen App kannst du bis in alle Ewigkeit verbessern. Die erste Fassung von Parcel war nach zwei Wochen benutzbar und ging trotzdem Monate später raus, weil ich immer noch etwas gefunden habe. Das ist kein Qualitätsbewusstsein, sondern schlicht die Angst vor dem Moment, in dem jemand anderes urteilt.

Was geholfen hat

Drei Dinge, und keines davon ist besonders originell:

  • Ein Datum statt eines Vorsatzes. Nicht „irgendwann weniger Kunden“, sondern „ab diesem Tag keine neuen“. Laufende Aufträge habe ich selbstverständlich zu Ende gebracht, das gehört sich.
  • Eine Reserve, die lange genug reicht. Nicht, um davon zu leben, sondern um bei der ersten schlechten Woche nicht sofort zurückzurudern.
  • Etwas veröffentlichen, bevor es perfekt ist. Der Store ist der einzige Ort, an dem man erfährt, ob eine Idee trägt, und jede Woche, die man vorher noch dranhängt, ist eine Woche ohne Antwort.

Und, hat es sich gelohnt?

Die ehrliche Antwort lautet, dass sich das noch nicht sagen lässt. Was ich sagen kann, ist, dass inzwischen Dinge existieren, die es sonst nicht gäbe: ein Shop, fünf Apps, eine Shopify-Erweiterung, eine vertonte Quiz-Show, ein Hörbuch-Musical. In der alten Konstellation wäre nichts davon fertig geworden, und zwar nicht, weil die Zeit gefehlt hätte, sondern weil sie immer schon vergeben war.

Wenn du mit demselben Gedanken spielst, dann rechne nicht aus, was du verlierst, sondern wie lange du durchhältst. Die erste Zahl schreckt ab, die zweite trägt.

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Alles, woran ich gerade baue

Ein Shop, fünf Apps, eine Shopify-Erweiterung, eine Quiz-Show, ein Musical und eine Buchreihe – alles unter einem Dach.