Parcel, Warranty, Travel, Moves und Freezer sehen sich sehr ähnlich, und das ist Absicht. Wie aus einer App eine Familie wurde, und was dabei zweimal beinahe schiefgegangen wäre.
Am Anfang stand ein Ärgernis, keine Marktlücke
Die erste App ist entstanden, weil ich regelmäßig Pakete verschicke und ebenso regelmäßig an der Paketstation stand, ohne zu wissen, welcher Abholcode zu welchem Karton gehörte. Drei Kartons im Flur, drei Codes im Postfach, irgendwo zwischen Newslettern und Bestellbestätigungen – und dann die Minute, in der man alle drei durchprobiert, während hinter einem jemand wartet.
Die Lösung war fast schon banal: ein Foto vom fertig gepackten Paket, das Versandlabel dazu, fertig. Am Automaten tippt man auf das Foto, das man in der Hand hat, und der passende Code erscheint groß auf hellem Grund. Kein Scannen, kein Deuten von Nummernformaten, sondern nur anzeigen, was man selbst hinterlegt hat.
Das klingt nach erstaunlich wenig, und genau deshalb funktioniert es weltweit und mit jedem Anbieter.
Dieselbe Form, eine andere Frage
Als die App lief, fiel mir auf, dass ich dieselbe Form noch mehrmals gebrauchen könnte: eine Karte mit einem Foto, ein paar Feldern und einer Antwort, die groß erscheint, sobald man sie braucht.
- Warranty hängt an einem Beleg statt an einem Paket und rechnet eine Frist aus, statt einen Code anzuzeigen.
- Travel hält fest, was in welchem Koffer liegt, damit man am Schalter nicht raten muss, wenn das Gepäck nicht ankommt.
- Moves beantwortet beim Ausladen und beim Suchen zwei ganz verschiedene Fragen, weil „wo soll der Karton hin“ und „in welchem liegt das Ding“ eben nicht dasselbe ist.
- Freezer verrät, was seit wann im Fach liegt und wie lange es noch gut ist, damit der weiße Block nicht im Zweifel im Müll landet.
Eine sechste, Collect für Sammlerstücke, ist gebaut und läuft bereits im Browser; der Eintrag im Play Store folgt noch.
Wo es beinahe schiefging
Eine App aus der anderen abzuleiten ist bequem und ziemlich gefährlich, und zwei Dinge haben mich das auf die unangenehme Art gelehrt.
Erstens die Texte. Beim Ableiten werden die Schlüssel umbenannt, die dahinterliegenden Werte aber nicht. Das Ergebnis war, dass in der Gefrierfach-App an einer Stelle „Beleg löschen“ stand. So etwas fällt beim Testen niemandem auf, weil man genau diese Stelle nie aufruft. Seitdem vergleiche ich bei jeder abgeleiteten App nicht die Schlüssel, sondern die Inhalte.
Zweitens der Speicher. Anfangs lagen alle Apps unter derselben Adresse und teilten sich damit Datenbank und Zwischenspeicher. Getrennt waren sie nur durch die Disziplin bei der Namensvergabe – und eine App hielt sich nicht daran. Heute hat jede ihre eigene Adresse, denn für den Browser sind das verschiedene Welten, und er erzwingt die Trennung, statt sie zu erhoffen.
Was alle gemeinsam haben
Kein Konto, kein Server, keine Übertragung. Das ist bequem zu versprechen und ziemlich unbequem zu bauen, weil man alles selbst lösen muss, was sonst eine Wolke erledigt: die Sicherung, den Umzug auf ein neues Gerät, die Wiederherstellung.
Die Kehrseite steht deshalb auch im Store, und zwar in demselben Absatz wie das Versprechen: Ein gelöschter Speicher nimmt die Karten mit. Wer das verschweigt, hat am Tag des Gerätewechsels ein Problem, das sehr viel teurer ist als ein ehrlicher Satz in der Beschreibung.