Fingerprint-Versionen: die Band, die ich nie hatte

Ich bearbeite ausschließlich eigene Demos. Was eine Fingerprint-Version ist, was sie nicht ist – und warum ich das Verfahren offen erkläre.

Seit einiger Zeit veröffentliche ich wieder Musik, und ein Teil davon sind Fassungen, die ohne KI nicht entstanden wären. Das ist ein Thema, bei dem man sich schnell Feinde macht, und ich verstehe jeden, dem dabei unwohl wird. Deshalb hier genau, was ich tue und was nicht.

Was eine Fingerprint-Version ist

Grundlage ist immer eine eigene Aufnahme, also ein Demo von mir: mein Text, meine Melodie, meine Stimme, in der Regel Jahre alt und im Arbeitszimmer entstanden. Daraus entsteht in einer aufwendigen Produktion die Fassung, die ich beim Schreiben im Ohr hatte – mit der Besetzung, die mir nie zur Verfügung stand. Nüchtern gesagt sind es KI-Coverversionen meiner eigenen Demos.

Der Name kommt daher, dass der musikalische Fingerabdruck meiner bleibt, während das Ensemble dazukommt.

Was es nicht ist

Es ist weder das Nachahmen fremder Stimmen noch das Bearbeiten fremder Werke. Ich fasse ausschließlich Material an, das mir gehört, und diese Grenze ist nicht verhandelbar. Sie ist auch der Grund, warum ich das Verfahren überhaupt öffentlich erkläre, denn wer verschweigt, wie etwas entstanden ist, hat dafür meistens einen Grund.

Warum ich es trotzdem mache

Seit 1993 sind hunderte Songs entstanden, und veröffentlicht wurde davon ein Bruchteil. Das lag nicht daran, dass die Lieder schlecht gewesen wären, sondern daran, dass ein einzelner Mensch im Arbeitszimmer an eine Grenze stößt. Das Schlagzeug steht dort nicht wirklich im Raum. Der Chor im Refrain ist dieselbe Stimme, achtmal übereinandergelegt. Die Bläsersätze existieren ausschließlich im Kopf.

Niemand hätte das Werk eines unbekannten Songwriters in dieser Form produziert oder aufgeführt, und das ist keine Klage, sondern eine nüchterne Beschreibung des Musikgeschäfts. Die Technik ändert daran genau eine Sache: Sie ersetzt die Band, die ich nie hatte, und nicht den Songwriter, den es ohnehin gab.

Das Verfahren macht aus einem mittelmäßigen Lied kein gutes. Es macht aus einem fertigen Lied eine hörbare Aufnahme.

Was dabei herausgekommen ist

Das größte Ergebnis ist „Engelsgleich – Das Hörbuch-Musical“: über dreißig dieser Songs, eingebettet in eine Geschichte, die ich 2009 geschrieben habe, zweieinhalb Stunden lang. Es ist, soweit ich weiß, das erste Musical, das auf diesem Weg entstanden ist.

Daneben steht Filmmusik: Für eine Serienfolge habe ich einen vollständig eigenen, alternativen Score komponiert.

Die Frage, die bleibt

Ob das noch „echt“ ist, muss am Ende jeder für sich beantworten, und ich nehme niemandem übel, der zu einem anderen Schluss kommt als ich. Meine Antwort lautet: Was eine Aufnahme echt macht, ist die Entscheidung, welche Note an welcher Stelle steht und welches Wort dazu gesungen wird. Diese Entscheidungen habe ich getroffen, vor vielen Jahren, mit einer Gitarre und einem Notizbuch.

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Ein Shop, fünf Apps, eine Shopify-Erweiterung, eine Quiz-Show, ein Musical und eine Buchreihe – alles unter einem Dach.