Über dreißig Jahre kaufmännische Arbeit lassen sich in einem Satz zusammenfassen, und der Satz ist unspektakulär: Der Preis steht am Anfang, nicht am Ende. Was das für ein kleines Unternehmen bedeutet.
Die häufigste Reihenfolge ist die falsche
Üblich ist: Produkt entwickeln, Produkt fertigstellen, Kosten zusammenrechnen, Marge draufschlagen, Preis verkünden. Das Ergebnis ist ein Preis, den man rechtfertigen muss, weil er aus der Rechnung kommt und nicht aus dem Markt.
Die umgekehrte Reihenfolge ist unbequemer und besser: Preis festlegen, den jemand zu zahlen bereit ist, davon die Abgaben abziehen, dann die Kosten – und erst dann entscheiden, was das Produkt können darf. Was übrig bleibt, ist der Spielraum. Wenn er null ist, baut man etwas anderes.
Drei Zahlen, die kleine Unternehmen regelmäßig übersehen
Die Plattformabgabe. App-Stores und Marktplätze nehmen einen Anteil, und zwar vom Brutto. Wer mit dem Ladenpreis rechnet, rechnet mit Geld, das ihm nicht gehört.
Die Steuer steckt schon im Eingabefeld, und das sieht man ihm nicht an. Ein Beispiel aus dem Alltag: Im Play Store trägt man für Deutschland einen Nettowert ein. Wer dort 4,99 einträgt, bekommt im Laden 5,99 angezeigt. Für einen Ladenpreis von 4,99 muss 4,19 im Feld stehen. Das ist keine Kleinigkeit – es ist der Unterschied zwischen einem runden Preis und einem, der nach Versehen aussieht.
Die eigene Zeit wird fast immer mit null angesetzt, weil sie ja nicht vom Konto abgeht. Sie ist trotzdem der größte Posten, und wer sie nicht einrechnet, baut am Ende Produkte, die sich ausschließlich deshalb tragen, weil jemand seine Arbeit verschenkt.
Warum Kleingewerbe kein Makel ist
Ich führe ein Kleingewerbe nach §19 UStG und weise keine Umsatzsteuer aus. Für manche klingt das nach „nicht richtig“. Tatsächlich ist es eine Entscheidung mit klaren Folgen: weniger Verwaltungsaufwand, kein Vorsteuerabzug, eine Umsatzgrenze.
Die Frage ist nicht, was nach mehr aussieht, sondern was zur Größe passt. Eine Struktur, die zu groß ist, kostet Zeit, die in nichts fließt. Umgekehrt gilt genauso: Wenn die Grenze absehbar fällt, plant man den Wechsel, statt ihn zu erleben.
Einmalkauf statt Abo – und was das kostet
Alle meine Apps sind Einmalkäufe. Das ist wirtschaftlich die schlechtere Entscheidung, und ich weiß das. Ein Abo bringt planbare Einnahmen; ein Einmalkauf bringt einmal etwas und danach Supportanfragen.
Ich halte trotzdem daran fest, weil der Preis zur Sache passen muss. Eine App, die eine Frage beantwortet und dafür keinen Server braucht, verursacht keine laufenden Kosten. Wer für etwas monatlich kassiert, das ihn selbst nichts kostet, verkauft Gewohnheit statt Leistung – das mag wirtschaftlich aufgehen, aber erklären möchte ich es niemandem.
Die Rechnung, die am Ende zählt
Für jemanden, der allein arbeitet, gibt es nur eine wirklich knappe Ressource. Nicht Geld, nicht Ideen – Zeit. Jede Entscheidung lässt sich deshalb auf eine Frage herunterbrechen: Verschafft mir das später Zeit oder nimmt es mir welche?
Ein eigenes Theme statt eines Baukastens: verschafft Zeit. Sechs Apps mit einem gemeinsamen Grundgerüst: verschafft Zeit. Ein Nutzerkonto in jeder App: nimmt Zeit, für immer. So einfach ist die Rechnung meistens.