Produkttexte, die nicht lügen

Beim Durchsehen meiner eigenen Store-Texte habe ich Sätze gefunden, die etwas behaupten, das niemand gezählt hat. Über die Grenze zwischen Szene und Statistik.

Beim Durchsehen meiner eigenen Store-Texte habe ich Sätze gefunden, die ich so nicht hätte schreiben dürfen. Nicht, weil sie schlecht klangen – sondern weil sie etwas behaupteten, das niemand gezählt hat.

Der Unterschied zwischen Szene und Statistik

„Vier Wochen nach dem Umzug stehen immer noch dreißig Kartons herum.“ Das ist ein guter erster Satz. Er holt den Leser dort ab, wo er war, und er stimmt gefühlt. Nur stellt sich beim zweiten Lesen die Frage, woher die vier Wochen kommen und woher die dreißig.

Solche Sätze lesen sich wie eine Erhebung, sind aber ausgedacht. Genau dort verläuft die Grenze, die ich mir seitdem ziehe: Eine Szene darf man erzählen, eine Statistik aber nicht einfach behaupten.

„Drei Kartons stehen im Flur, und für jeden gibt es einen Code“ ist eine Szene – erkennbar als Bild, nicht als Messung. „Achtzig Prozent aller Umziehenden finden ihren Wasserkocher nicht“ wäre eine Behauptung, und ohne Quelle wäre sie gelogen.

Drei weitere Fehler, die mir aufgefallen sind

Telegrammstil in der Kurzbeschreibung. „Foto, Raum.“ oder „Foto, Code.“ – das sind Notizen an mich selbst, keine Sätze für jemanden, der die App nicht kennt. Die Kurzbeschreibung ist die einzige Zeile, die in der Suchliste mitläuft. Sie muss allein stehen können.

Fremde Markennamen standen als Beispiele im Text, obwohl Gattungsbegriffe es genauso tun – und obwohl sie niemanden in die Verlegenheit bringen, dafür einen Anwalt zu beschäftigen.

Ein Versprechen ohne seine Kehrseite ist das dritte Problem. „Alles bleibt auf deinem Gerät“ klingt uneingeschränkt gut, und dass ein gelöschter Speicher die Daten mitnimmt, gehört in denselben Absatz. Wer das weglässt, gewinnt eine Installation und verliert dafür eine Bewertung.

Warum das nicht nur eine Frage des Anstands ist

Erfundene Zahlen sind auch handwerklich schlecht. Sie machen einen Text austauschbar, weil jeder sie schreiben kann. Eine konkrete Szene dagegen kann nur schreiben, wer die Situation kennt – und das merkt der Leser.

Außerdem muss man sie verteidigen. Sobald jemand fragt, woher die Zahl stammt, steht man entweder mit einer Quelle da oder blamiert. Der Aufwand, es gleich richtig zu machen, ist kleiner.

Die Regel, die übrig bleibt

Wenn in meinen Texten eine Zahl steht, ist sie gezählt. Über 700 Fragen im Quiz: gezählt. Über 200 Minuten gesprochene Inhalte: gemessen. Zwei Stunden sechsundzwanzig Minuten Musical: die Laufzeit der Datei.

Alles andere wird zur Szene umgeschrieben oder gestrichen. Das kostet ein paar schöne Sätze und spart eine Menge Erklärungen.

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Alles, woran ich gerade baue

Ein Shop, fünf Apps, eine Shopify-Erweiterung, eine Quiz-Show, ein Musical und eine Buchreihe – alles unter einem Dach.