Warum aus meiner Quiz-App eine Show wurde

Fragen kann jeder nachliefern, eine Figur nicht. Der Gedankengang hinter „Uns fragt ja keiner!“ – und was ich übers Schreiben fürs Ohr gelernt habe.

„Uns fragt ja keiner!“ war zuerst als Quiz-App geplant. Irgendwann habe ich gemerkt, dass eine Quiz-App das schlechtere Produkt ist – nicht technisch, sondern wirtschaftlich. Hier steht der Gedankengang dahinter.

Fragen kann jeder nachliefern

Eine Quiz-App verkauft Fragen, und darin liegt das Problem, denn Fragen sind beliebig vermehrbar. Wer mehr davon will, bekommt mehr, von irgendwem, irgendwo und meistens umsonst. Ein Produkt, dessen Kern sich beliebig vermehren lässt, hat keinen Boden unter den Füßen.

Eine Show dagegen verkauft etwas anderes, nämlich einen Abend mit einer Figur – und eine Figur kann niemand nachliefern. Das ist der ganze Unterschied, und er entscheidet darüber, ob es das Ding in zwei Jahren noch gibt.

Was das praktisch bedeutet

Die Entscheidung klingt nach Marketing und war vor allem Arbeit. Aus „Fragen anzeigen“ wurde ein Moderator, der begrüßt, überleitet, auflöst und kommentiert, dazu eine Co-Moderatorin, die ihm dazwischenredet, und darunter über zwanzig Musikstücke vom Titelsong bis zum Verlierersong. Reaktionen auf richtige und falsche Antworten kamen hinzu, damit sich eine Runde nach Sendung anfühlt und nicht nach Formular.

Inzwischen stehen wir bei rund 1500 Fragen und über acht Stunden Ton. Das ist ein Vielfaches des Aufwands einer Fragenliste – dafür lässt es sich auch nicht an einem Wochenende kopieren.

Eine Lehre über gesprochene Texte

Beim Schreiben der Moderation habe ich meinen eigenen hartnäckigsten Fehler kennengelernt: Ich schreibe fürs Auge. Stichpunkte, Halbsätze, Doppelpunkte. Auf dem Bildschirm liest sich das knackig; vorgelesen klingt es wie eine Einkaufsliste.

Gesprochene Sprache braucht ganze Sätze mit Verb und Bindewort. Ein Fragment wie „Weihnachtsfeier, Hochhaus, automatische Waffen“ funktioniert als Anmoderation hervorragend, aber nur, wenn danach ein vollständiger Satz folgt, der den Bogen wieder schließt. Fünf solcher Fragmente hintereinander, und der Zuhörer schaltet ab, ohne sagen zu können, warum.

Eine zweite Lehre derselben Art: Jahreszahlen schreibt man für die Vertonung aus. Ein Modell, das „1989“ liest, sagt irgendwann „neunzehnhundertneunundneunzig“, und es merkt niemand, bis es jemand abspielt.

Wo der Flaschenhals wirklich liegt

Nicht im Programmieren, denn das Spiel selbst stand verhältnismäßig schnell. Der Flaschenhals ist das Schreiben, weil jede Frage eine Einleitung braucht, eine Auflösung und eine Reaktion für den Fall, dass jemand danebenliegt.

Ein kleiner Kniff hat die Arbeit halbiert: Die Reaktion auf eine richtige Antwort kommt aus einem allgemeinen Vorrat, weil Lob austauschbar sein darf, ohne dass es jemandem auffällt. Nur der Spott bei falschen Antworten wird pro Frage geschrieben, denn der muss zur Frage passen, sonst wirkt er aufgesetzt. Seitdem schreibe ich pro Frage eine Zeile statt zwei.

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Alles, woran ich gerade baue

Ein Shop, fünf Apps, eine Shopify-Erweiterung, eine Quiz-Show, ein Musical und eine Buchreihe – alles unter einem Dach.