Ich habe einen Onlinekurs produziert, zwei Wochen Radiowerbung dafür geschaltet und den Rechner verkauft, auf dem ich ihn aufgenommen hatte. Verkauft habe ich am Ende: keinen einzigen Kurs. Hier steht, woran es lag.
Die Idee war gar nicht schlecht
„Der Kickstart für Bewertungen“ richtete sich an Gastronomen und alle anderen, die täglich mit Bewertungen zu kämpfen haben. Es ging darum, Bewertungen nicht als Urteil zu lesen, sondern als Werkzeug: Schaden begrenzen, richtig antworten, daraus Kundschaft gewinnen. Das ist kein esoterisches Thema, sondern etwas, das ich jahrelang bei Kunden gesehen hatte: Da steht ein Laden mit achtzig guten Bewertungen, und niemand antwortet darauf, niemand verlinkt sie, niemand nutzt sie für irgendetwas.
Siebzehn Lektionen in achtzehn Videos sind daraus geworden, über vier Stunden, dazu ein vierzigseitiges Heft zum Ausdrucken – strukturiert, aufgenommen, geschnitten. Ich war so überzeugt davon, dass ich Radiowerbung gebucht habe – bezahlt, indem ich den iMac verkaufte, auf dem ich den Kurs produziert hatte. Im Rückblick eine ziemlich verrückte Aktion, aber ich war mir eben sicher.
Zwei Wochen Radio, dazu Kampagnen im Netz, null Verkäufe
Nicht wenige. Keine. Das ist eine Zahl, die man erst einmal sacken lassen muss, besonders wenn man nebenbei den eigenen Rechner dafür hergegeben hat.
Woran es wirklich lag
Der Fehler steckte nicht in der Werbung und auch nicht im Preis. Er steckte in einer Verwechslung, die ich jahrelang mit mir herumgetragen hatte.
Genau die Leute, für die der Kurs gedacht war, hatten mich im echten Leben ständig um Hilfe gebeten. Daraus habe ich geschlossen, dass sie das Thema interessiert. Tatsächlich interessierte sie etwas ganz anderes: dass es jemand macht. Sie müssen schließlich kochen, einkaufen, Personal einteilen und ihren Laden führen. Vier Stunden Lernzeit sind für jemanden, der zwölf Stunden am Tag im Betrieb steht, kein Angebot, sondern eine Zumutung.
„Hilf mir“ heißt nicht „Bring es mir bei“. Das ist derselbe Satz nur für den, der ihn hört.
Und während ich noch bewarb, kam die KI über Nacht in den Alltag. Wer braucht einen Kurs darüber, wie man eine freundliche Antwort auf eine Bewertung formuliert, wenn das inzwischen ein Werkzeug in zehn Sekunden erledigt? Das Thema war nicht nur falsch adressiert, es löste sich auch noch von selbst auf.
Was ich mitgenommen habe
- Vor dem Produzieren fragen, ob jemand lernen oder beauftragen will. Das ist eine einzige Frage, und sie hätte mir Monate gespart.
- Nicht die eigene Überzeugung finanzieren. Werbung kauft Reichweite, keine Nachfrage – wenn niemand das Problem gelöst haben will, hilft auch ein lauter Lautsprecher nicht.
- Produktionswissen verfällt nicht. Ich weiß seitdem, wie man Stunden an Material plant, aufnimmt, schneidet und ordnet. Genau das brauchte ich später für die Quiz-Show, in der inzwischen über acht Stunden Ton stecken.
Und dann kam etwas ganz anderes
Es war schlicht nicht das, was ich wirklich machen wollte, und das merkt man einem Produkt an. Kurz darauf kam die Idee zu einem Geschenkeshop, und am 30. November 2023 ging HalloGeschenk.de an den Start.
Ohne den Reinfall davor wäre ich vermutlich länger beim Kursgeschäft geblieben. Insofern war es ein teurer, aber ziemlich wirksamer Hinweis.
Geplant war viel mehr als ein Kurs
Was ich hier „einen Onlinekurs“ nenne, war eigentlich nur das erste Stück eines ganzen Programms. In meinen Unterlagen liegen die Module bis heute fertig ausgearbeitet, und die Liste ist länger, als ich sie selbst in Erinnerung hatte:
- Für Existenzgründer – von der Idee zum Geschäft, Geschäftsmodelle, Alleinstellung, Wettbewerb, Standort, Einkauf und Kalkulation, Steuern, Rechtsformen vom freien Beruf bis zur GmbH samt dem Weg zum Notar.
- Für neue Gründer – Namensfindung inklusive Markencheck beim DPMA, Logo, Geschäfts- und Rechnungspapier, Flyer, Stempel, Offline-Marketing.
- Für digitales Marketing – Baukasten gegen WordPress, Schritt für Schritt bis zur fertigen Homepage, Social Media.
- Für künftige Freelancer – Anmeldung und Steuernummer, Kundengewinnung, Preise kalkulieren und verteidigen, Zahlungsarten, Texten, Bild- und Videomaterial.
- Für Gastronomen – Speisekarte in InDesign, Aktionsflyer, Bestellung bei der Druckerei.
- Für Bewertungen – der einzige, der am Ende tatsächlich produziert und veröffentlicht wurde.
Auf jeder Modulübersicht steht derselbe Hinweis, und der war mir damals wichtig: Ich bin kein Anwalt, kein Finanz- oder Versicherungsberater und in keiner behördlichen Funktion tätig. Ich gebe weiter, was ich selbst gelernt habe. Daran hat sich bis heute nichts geändert.
Es gibt ihn übrigens noch
Der Kurs ist nicht im Papierkorb gelandet. Er liegt vollständig auf einer eigenen Plattform, alle achtzehn Videos und das Heft dazu. Gedacht war er einmal für knapp hundertfünfzig Euro; heute kostet er sieben Euro neunundneunzig, ausleihen kann man ihn für vier neunundneunzig. Nicht weil er schlechter geworden wäre, sondern weil ein Preis genau das wert ist, was jemand dafür zahlt.
Ehrlich gesagt bin ich mir bis heute nicht sicher, wie viel davon die KI inzwischen übernommen hat. Den Teil mit den Formulierungen vermutlich ganz. Was sie nicht übernimmt, ist der größere Teil des Kurses, und das ist schlicht Unternehmensberatung: worauf man im Betrieb achtet, wann man reagiert und wann besser nicht, wie aus einer Beschwerde eine Stammkundin wird. Diese Art Rat altert deutlich langsamer als eine höfliche Antwortvorlage.
Eine Pointe hat die Geschichte dann doch noch. Ich habe einen Kurs darüber produziert, wie man mit Bewertungen umgeht – und betreibe heute einen Shop, dessen hartnäckigstes Problem darin besteht, überhaupt welche zu bekommen. Zufriedene Kundschaft schreibt eben nichts. Das hätte in Lektion eins gehört.